Heute geht es um die Kindergrippe – nein, nicht die mit Fieberthermometer und Wadenwickel, sondern die mit Hausschuhen, Garderobenplatz und Mini-Rucksack. Der Start in den Kindergarten. Ein Meilenstein. Für die Kinder. Und – wenn wir ehrlich sind – noch mehr für uns Eltern.
Spoiler: Ich war vorbereitet. Dachte ich.
Der Grippenplatz – früher Vogel fängt den Wurm (oder zwei)
Ich habe meine Zwillinge direkt nach der Geburt für einen Grippenplatz vorgemerkt. Ja, wirklich. Während andere noch Babyfotos sortierten, habe ich Formulare ausgefüllt.
Warum die Grippensituation in Deutschland so schwierig ist:
Manchmal werde ich gefragt, warum ich meine Zwillinge schon direkt nach der Geburt für einen Grippenplatz angemeldet habe.
Meine Antwort?
Weil ich nicht wollte, dass sie mit 18 ihren Führerschein schneller bekommen als einen Betreuungsplatz.
So überspitzt es klingt – ganz so lustig ist die Lage in Deutschland leider nicht.
Rechtsanspruch – klingt gut, oder?
Seit 2013 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr.Das klingt erstmal beruhigend. Fast wie: „Keine Sorge, wir kümmern uns.“
Die Realität sieht oft so aus:
Ja, du hast Anspruch. Nein, es ist kein Platz frei. Vielleicht in 25 Kilometern Entfernung. Mit Öffnungszeiten, die nicht mit deinem Job kompatibel sind.
Rechtsanspruch heißt eben nicht Wunschplatz.
Und schon gar nicht Wunschzeit.
Fachkräftemangel – das eigentliche Problem
Der größte Engpass ist nicht der Platz an sich. Es sind die Menschen, die dort arbeiten.Erzieherinnen und Erzieher fehlen überall.
Und wenn ich ehrlich bin – wer kann es ihnen verdenken?
Hohe Verantwortung,Große Gruppen Dokumentationspflichten Krankenstand und oft keine Bezahlung, die dem gerecht wird.
Selbst wenn neue Kitas gebaut werden, bleiben Gruppen geschlossen, wenn Personal fehlt.
Und wir Eltern sitzen zuhause und rechnen durch:
„Wie lange können wir uns das noch leisten?“
Gesellschaftlicher Wandel – willkommen im Spagat
Früher blieb oft ein Elternteil länger zuhause.Heute wollen oder müssen viele Familien früher wieder arbeiten.
Nicht nur wegen der Karriere. Sondern wegen der Miete. Der Inflation. Der Realität.
Und dann sitzt man da – zwischen schlechtem Gewissen und Existenzangst.
Arbeite ich, bin ich egoistisch? Bleibe ich zuhause, verliere ich den Anschluss?
Dieser innere Konflikt ist manchmal anstrengender als zwei trotzige Zweijährige im Partnerlook.
Warum ich so früh angemeldet habe
Genau deshalb habe ich unsere zwei direkt nach der Geburt vorgemerkt.
Nicht aus Überambition.Nicht, weil ich sie „abschieben“ wollte.
Sondern weil ich Planungssicherheit brauchte.Mit Zwillingen rechnet man sowieso alles doppelt:
Doppelte Windeln,Doppelte Kleidung, Doppelte Betreuungskosten
Und tatsächlich bekamen wir die Zusage, als sie 1,5 Jahre alt waren – für einen Platz ab 2,5 Jahren.
Ein Jahr Vorlauf. In anderen Regionen wartet man deutlich länger.
Regionale Unterschiede – Glückssache Wohnort
In Deutschland hängt vieles vom Wohnort ab.In Großstädten ist die Situation oft besonders angespannt.
Auf dem Land gibt es manchmal weniger Einrichtungen.Und jedes Bundesland hat eigene Regeln, Finanzierungssysteme und Kita- Gebühren.
Manchmal fühlt es sich an wie ein Kita-Lotteriespiel.
Die emotionale Seite, über die kaum jemand spricht
Was die Situation zusätzlich schwierig macht, ist nicht nur die Organisation.Es ist der Druck!
Du willst:
Gute Mutter sein. Finanziell stabil sein. Deinen Kindern eine Förderung ermöglichen und Gleichzeitig präsent bleiben.Und dann hängt alles an einem Brief mit dem Betreff: „Zusage“ oder „Leider müssen wir Ihnen mitteilen…“
Kein Wunder, dass viele Eltern schon in der Schwangerschaft Formulare ausfüllen.
Mein ehrliches Fazit
Die Grippensituation ist schwierig, weil Anspruch und Realität auseinanderklaffen.Weil Personal fehlt.Weil Bedarf schneller wächst als Strukturen.Weil Familien heute anders leben als noch vor 30 Jahren.
Und weil wir Eltern zwischen Organisation, Emotion und Verantwortung stehen.
Ich bin dankbar, dass wir einen Platz bekommen haben.
Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich beim ersten Elternabend so nervös war.
Nicht nur, weil ich die „Zwillingsmama“ war.
Sondern weil ich wusste: Dieser Platz ist ein Privileg.
Der erste Elternabend – Stuhlkreis & erster Eindruck
Alles begann mit einer Einladung zum Elternabend. Wir saßen im Stuhlkreis (natürlich), bekamen alle wichtigen Informationen und durften die Grippe besichtigen. Warm. Offen. Freundlich. Ich stellte mir sofort vor, wie meine zwei dort gemeinsam spielen.
Wir sollten Bilder mitbringen und uns vorstellen.Ich war nervös denn ich wollte einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Kaum betrete ich den Raum:
„Sind Sie die Zwillingsmama?“
Ich: „Ja.“
Erster Eindruck: erledigt.
Die Erzieherin meinte, es sei das dritte Zwillingspaar in ihrer langen Kindergartenzeit. Ich: „Ach schön, dann kennen Sie sich ja aus!“
(An dieser Stelle lacht jede Zwillingsmama leise in sich hinein.)
Wir vereinbarten dann einen Hausbesuch. Mit dem beruhigenden Satz am Rande:
„Keine Sorge, wir überprüfen nicht Ihre Wohnsituation. Das ist bei uns üblich.“
Gut zu wissen. Ich hatte nämlich kurz überlegt, ob ich noch schnell die Fenster putzen soll.
Fazit nach dem Abend: Ich war positiv überrascht. Es fühlte sich richtig an. Also: Ja. Das ist unser Platz.
Der Hausbesuch – Dreisprachig & Zirkus Halligalli
Die Erzieherin kam vorbei. Wir tranken Kaffee, unterhielten uns – und was ihr sofort auffiel: Wir sprechen dreisprachig. Deutsch, Englisch und Arabisch.
Sie fand das großartig. Ich auch. (An manchen Tagen weiß ich allerdings selbst nicht mehr, in welcher Sprache ich gerade denke.)
Dann die Standardfragen. Entwicklung. Rituale. Schlaf.
Und plötzlich – Eskalation.
Die beiden begannen zu streiten. Laut. Intensiv. Mit Körpereinsatz.
Ich schaute meinen Mann an. Dieser Blick zwischen uns:
„Erster Eindruck? Zirkus Halligalli.“
Ich reagierte initiativ, packte Lego aus und lenkte sie ab. Und siehe da – it work.
In diesem Moment fühlte ich mich Disco.
Die Eingewöhnung – Theorie vs. Realität
Vor dem Start hörte ich gefühlt alle Podcasts zur Eingewöhnung an.Berliner Modell. Münchner Modell. Sanfte Eingewöhnung. Bloß nicht weinen lassen. Doch weinen lassen.
Mein Fazit: Voll für die Katz.
Es gibt keinen perfekten Weg denn jedes Kind ist halt anders.
Kurz erklärt – die gängigen Modelle:
Bezugsperson bleibt mehrere Tage dabei. Schrittweise Trennung. Orientierung am Bindungsverhalten des Kindes.
Längere gemeinsame Phase. Mehr Einbindung der Eltern. Sehr beziehungsorientiert.
Und dann gibt es noch das ganz eigene Modell:
„Mein-Kind-macht-was-es-will-und-ich-versuche-ruhig-zu-bleiben“-Modell.
Unsere Eingewöhnung – Plan A & Papa


Woche 1:
1 Stunde gemeinsam erkunden. Ich lief mit ihnen herum.
Tag 2:
Sie interessierten sich kaum noch für mich. Nur kurze Rückversicherung: „Mama noch da?“
Ich: Sofa und Gedanken an:
Wie haltet man den Lärmpegel nur aus?
Wie sitzen sie auf den Mini Stuhlen?
Reden Sie mit Erwachsenen auch in einzelnen Silben?
Sie fragen alles!… Kind erzählt..OMG Sie wissen alles.
Woche 2:
Nun hieß es zwei Stunden bleiben und ich sollte nur beobachten und dann in den Vorraum sitzen. Da waren Sie: Die Ersten „Maaamaaa“-Rufe.
Dann: 15 Minuten gehen.
Dann: 30 Minuten.
Und da startete das erwartete Geweine. Ich konnte das nicht ertragen. Also Plan B:
Mein Mann übernahm.
Für ihn? Kein Thema. „Tschüss ihr zwei.“Bye Bye.Und es funktionierte.
Nach drei Wochen gingen sie mit Freude hin. Und das bis heute. In zwei Monaten werden sie drei.
Manchmal braucht es einfach den Elternteil mit den stärkeren Nerven.
Mittagsschlaf – unterschätzt & lebenswichtig
Was nicht funktionierte: das Schlafen dort.Nach drei Monaten rief mich die Erzieherin an. Sie hätten alles pädagogisch Mögliche versucht. Aber sie konnte nicht einschlafen. Lief herum. Störte andere.
Vermutlich lag es daran, dass sie nur in kompletter Dunkelheit und Ruhe schlafen kann. Die Grippe war ihr zu aufregend.
Wir entschieden gemeinsam:
Beide früher abholen und den Mittagsschlaf zuhause.
Denn: Schlaf ist bis zum dritten Lebensjahr enorm wichtig.
Er unterstützt die Gehirnentwicklung Emotionsregulation, das Wachstum und das Immunsystem.Kein Mittagsschlaf ist keine Option.
Und seien wir ehrlich: Wer will zwei übermüdete, aufgedrehte Mini-Vampire zuhause? Die saugen einem die letzte Energie aus.
Was man für den Start braucht – Checkliste
-Hausschuhe (rutschfest) -Wechselkleidung (mehrfach!) -Windeln & Feuchttücher -Trinkflasche. -Rucksack. -Kuscheltier. -Foto der Familie (für die Garderobe)
Der zweite Elternabend – Undercover unmöglich
Nächste Einladung. Elternabend.
Viel Info. Vorstellung des Elternbeirats. Dann: „Ab in die Räume.“
Ich folgte den anderen Eltern undercover in den Raum.
Dann nur Starre Blicke.Ich innerlich: „Ich fühle mich fehl am Platz.“
Erzieherin: „Sind Sie die Zwillingsmama?“
Ich: „Ja.“
Undercover? Unmöglich. Offenbar kannte mich der ganze Kindergarten.
Im richtigen Raum dann angekommen:
„Wir dachten, Sie sind schon nach Hause?“
Ich: „Nein, hab mich verlaufen.“
Dann: „Stellen Sie sich mal vor.“
Die Klassiker:
„Ich kenne auch Zwillinge.“ „Muss bestimmt anstrengend sein!“
Das hört man als Zwillingsmama ständig.
Doch dann sagte die Erzieherin:
„Ich kenne niemanden, der so tiefenentspannt ist wie Sie. Sie machen das richtig gut.“
Das ging runter wie Öl.
Unser Betreuungssystem – Teamwork makes the dream work
Bei uns läuft es so:
Ich mache die Vesperdosen und mein Mann macht die Kinder fertig. Dann gehe ich arbeiten – Me-Time inklusive. Opa bringt sie. Oma holt sie ab. Läuft!
Wir sind halt ein eingespieltes Team. Jeder hat seinen Part. Und das auch noch freiwillig.
Deshalb sind die Erzieherinnen manchmal überrascht, wenn ich sie abhole:
„Oh, Sie mal wieder! Lange nicht gesehen!“
Ja. Organisation ist alles.
Was ich über die Kindergrippe noch gelernt habe – Dinge, über die kaum jemand spricht
Je länger meine zwei nun in der Grippe sind, desto mehr merke ich: Es geht nicht nur um einen Betreuungsplatz. Es geht um die Bindung, Entwicklung, Organisation, Identität – und ein kleines bisschen Dauerrotznase.
Hier kommen die Punkte, die ich vor dem Start gerne schon gewusst hätte.
Bindung geht nicht verloren – sie wächst.Eine der größten Sorgen (die man oft nur heimlich denkt):
„Leidet unsere Bindung, wenn ich sie abgebe?“
Heute weiß ich: Nein.
Bindung entsteht nicht durch 24 Stunden Dauerpräsenz, sondern durch Verlässlichkeit.
Meine Kinder wissen:
Mama geht. Mama kommt zurück. Mama bleibt ihre sichere Basis.
Und sie dürfen zusätzlich andere sichere Bezugspersonen haben. Das ist kein Verlust – das ist ein Gewinn.
Der soziale Entwicklungsschub ist enorm
Was zuhause kaum möglich ist, passiert in der Grippe täglich:
Konflikte lösen (oder eskalieren ) Teilen lernen und Warten.Regeln akzeptieren und eigene Bedürfnisse ausdrücken.
Gerade bei Zwillingen finde ich es spannend:
Sie bleiben nicht nur „die Zwillinge“.
Sie entwickeln eigene Freundschaften, eigene Dynamiken, eigene Rollen.
Und ja – manchmal spielen sie getrennt. Und das ist gut so.
Willkommen im ersten Kita-Jahr: Virenparty
Niemand hat mich vorbereitet auf:
3 Tage Grippe.7 Tage zuhause.
Wieder von vorne.Das erste Jahr ist gefühlt ein Immunsystem-Bootcamp.
Erkältung, Husten, Schnupfen im Dauerabo.Aber: Das ist normal.
Das Immunsystem trainiert. Und irgendwann wird es besser.
Zusammenarbeit mit den Erzieher:innen –
Eine gute Grippe funktioniert wie eine Partnerschaft. Sorgen offen ansprechen und gemeinsam Kompromisse finden.
Das Thema Mittagsschlaf war für uns so ein Moment.
Sie konnten nicht schlafen. Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden.
Kein Gegeneinander. Sondern: Was ist für das Kind am besten?
Und genau so sollte es sein.
Krippe ist nicht Kindergarten
Viele werfen das durcheinander.
Krippe (0–3 Jahre):
-Mehr Nähe
-Mehr Pflege
-Mehr Bindungsarbeit
Kindergarten (ab 3):
-Mehr Gruppenstruktur
-Mehr Selbstständigkeit
-Mehr „Schulvorbereitung“
Doppelte Organisation mit Zwillingen
Was man nicht unterschätzen darf:
Zwei Garderobenplätze,Zwei Entwicklungsgespräche,Zwei Brotdosen,Doppelte Kosten!
Es gibt keine Staffelung. Kein „erst das eine, dann das andere“.
Alles passiert gleichzeitig.
Das fordert – finanziell und organisatorisch.
Aber es bringt auch einen Vorteil:
Sie gehen gemeinsam durch diese Phase. Und das gibt ihnen Sicherheit.
Oma, Opa & wir
Ohne unser eingespieltes Team würde vieles nicht funktionieren.
Oma und Opa sind ein Geschenk. Und nicht selbstverständlich.
Und ich? Wo bleibe ich?
Ein Punkt, über den ich auch sprechen möchte:
Mit der Grippe kam ein weiteres Stück von mir zurück. Me -Time!
Wie geil ist das denn eigene Gespräche zu führen ohne permanent „Mamaaa“ zu hören.
Mein Fazit
Die Kindergrippe ist kein einfacher Schritt. Sie fordert Organisation, Vertrauen und manchmal starke Nerven.Aber sie gibt viel.Und ja – viele Viren.
Aber sie ist auch warm, lebendig und voller kleiner Fortschritte.
Jetzt seid ihr dran:
Wie war eure Eingewöhnung?
Habt ihr Tipps oder chaotische Zirkus-Momente erlebt?
Schreibt mir eure Erfahrungen!
Und wenn euch mein ehrlicher Einblick gefallen hat, abonniert meinen Blog Mein Zwillingsglück kostenlos.
Im nächsten Kapitel geht es um die Autonomiephase – auch bekannt als: „Ich kann das alleine!“ (Spoiler: können sie nicht. Wollen sie aber.)
Bis dahin: Tief durchatmen.

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