– zwei Kinder, zwei Welten
Ich muss zugeben: Vor unserem ersten Elterngespräch in der Kinderkrippe war ich ein kleines bisschen aufgeregt. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als nur ein bisschen. Schließlich ging es um meine Zwillinge – und ich war unglaublich gespannt zu hören, wie sie sich dort entwickeln. Benehmen sie sich so wie zu Hause? Oder zeigen sie eine ganz andere Seite von sich?
Mit vielen Gedanken im Kopf und einer ordentlichen Portion Neugier stand ich also an diesem Tag in der Gruppe. Nach einer sehr netten Begrüßung – inklusive Kaffee, was die Situation direkt entspannter machte – ging das Gespräch los. Die Erzieherin hatte einen Fragebogen vor sich liegen und einige Notizen.
Typische Fragen bei solchen Entwicklungsgesprächen drehen sich zum Beispiel um:
Wie verbringt das Kind seinen Tag in der Gruppe?
Wie verhält es sich beim Essen?
Spielt es lieber alleine oder mit anderen Kindern?
Welche Interessen und Stärken zeigt es?
Wie reagiert es bei Konflikten oder Frust?
Wie ist die Kommunikation und Sprache entwickelt?
Und dann ging es auch schon los – wir starteten mit meiner Tochter.
Meine Tochter – Prinzessin mit Teufelshörnchen
Die Erzieherin erzählte mir, wie mein Mädchen ihren Tag in der Krippe verbringt. Eine Sache war direkt klar: Frühstück ist nicht ihr Ding. Auch beim Mittagessen ist sie eher wählerisch.
Ganz anders sieht es bei kreativen Dingen aus. Sie liebt es zu malen, zu basteln und Bücher anzuschauen. Tanzen und singen gehört ebenfalls zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Gleichzeitig kann sie sich erstaunlich gut alleine beschäftigen.
Vom Charakter her ist sie eher ruhig. Sie beobachtet viel und schaut sich Situationen erst einmal von außen an.
Und wenn es ums Spielen geht, ist ihr Stil ziemlich eindeutig:
Kleid, Krone, Puppen, Verkleiden – und wenn möglich mit hohen Schuhen. Ganz klar: Das ist voll ihr Ding.
Aber (und das kennen vermutlich viele Eltern): Auch die süßeste Prinzessin kann manchmal zur kleinen Teufelin werden.
Wenn sie etwas nicht bekommt, kann sie unglaublich stur sein. Dann ist sie schwer zu beruhigen und braucht vor allem eines: Abstand und Zeit für sich. Laut der Erzieherin stoßen sie bei dieser Sturheit manchmal sogar an ihre pädagogischen Grenzen.
Und ja – sie kann auch austeilen. Besonders ihr Bruder bekommt das manchmal zu spüren. Da wird beim Frühstück schon mal bei ihm „mitgegessen“ oder ihm das Spielzeug abgenommen.
Im Turnraum gibt sie übrigens auch Gas – bleibt dabei aber eher vorsichtig. Und manchmal sitzt sie einfach still da und starrt in den Raum. So als würde sie ihre eigene kleine Welt beobachten.
Mein Sohn – Energie auf zwei Beinen
Dann kam mein Sohn dran.
Beim Thema Essen musste ich schmunzeln. Laut der Erzieherin passiert dort etwas, das sie so noch nie erlebt haben:
Er isst sein komplettes Frühstück auf.
Und danach zweimal Mittagessen.
Alles. Wirklich alles.
Während seine Schwester also eher wählerisch ist, probiert er begeistert alles aus, was auf den Tisch kommt.
Seine größte Leidenschaft ist aber Bewegung. Turnen, springen, klettern – Hauptsache Action. Besonders gerne spielt er mit älteren Jungs. Energie scheint bei ihm ein Dauerzustand zu sein.Nach dem Motto wer bremst,verliert.
Tanzen und singen macht er auch gerne – meistens ziemlich laut und mit voller Begeisterung.
Er steht gern im Mittelpunkt, ist mutig und sehr kontaktfreudig. Teilen und anderen helfen findet er ebenfalls toll.
Und reden… kann er ohne Pause. Den ganzen Tag.
Besonders lustig finden die Erzieherinnen: Er spricht dabei ganz viel Englisch. Da können Sie sogar noch etwas lernen.
Kurz gesagt: Ein richtiger kleiner Wirbelwind. Fahrzeuge, toben, entdecken – genau seine Welt.
Und wenn er einen Wutanfall bekommt? Dann kann man ihn erstaunlich gut ablenken oder „bequatschen“.
Zwillinge – und trotzdem komplett verschieden
Das Spannendste an dem Gespräch war für mich wieder einmal zu sehen, wie unterschiedlich meine beiden Kinder sind.
Sie wachsen im selben Zuhause auf.
Sie bekommen die gleiche Erziehung.
Sie haben die gleichen Menschen um sich herum.
Und trotzdem könnten ihre Charaktere kaum unterschiedlicher sein.
Das ist übrigens auch aus wissenschaftlicher Sicht völlig normal. Selbst eineiige Zwillinge entwickeln unterschiedliche Persönlichkeiten.
Gründe dafür sind unter anderem:
-Temperament, das teilweise genetisch geprägt ist
-Eigene Erfahrungen, die jedes Kind individuell macht
-Unterschiedliche Rollen, die Geschwister automatisch entwickeln
-Individuelle Wahrnehmung der Umwelt
Kinder formen ihre Persönlichkeit also nicht nur durch Erziehung, sondern auch durch ihre eigene innere Veranlagung.
Und genau das sieht man bei meinen beiden ganz deutlich.
Die besondere Beziehung zwischen Zwillingen
Ein Thema, das mich besonders interessiert hat, war die Beziehung zwischen den beiden.
Am Anfang waren sie in der Krippe praktisch unzertrennlich. Sie haben zusammen gespielt, zusammen entdeckt und sich immer gegenseitig gesucht.
Mit der Zeit hat sich das verändert.
Jetzt entwickelt jeder von ihnen eigene Interessen. Jeder geht seinen eigenen Weg in der Gruppe.
Und trotzdem passiert etwas Schönes:
Immer wieder schaut einer zum anderen rüber.
So ein kurzer Blick nach dem Motto:
Bist du noch da?
Diese Verbindung ist irgendwie immer da – auch wenn sie gerade nicht zusammen spielen.
Ein schönes Kompliment für unsere Familie
Am Ende des Gesprächs kam noch eine Frage:
„Sind sie zu Hause auch so?“
Meine Antwort:
Ja. Absolut.
Die Erzieherinnen haben außerdem unseren starken Familienzusammenhalt gelobt. Besonders die Aufmerksamkeit von Oma und Opa ist ihnen aufgefallen.
Und dann fiel ein Satz, der mich wirklich berührt hat:
Opa ist der Beste. Die beiden lieben ihn über alles.Seine Mäuse.
Er bringt sie jeden Morgen in die Krippe – und laut den Erzieherinnen macht er das ganz wunderbar.
Meine Tipps für das erste Krippengespräch
Falls ihr auch bald euer erstes Elterngespräch habt, hier ein paar Dinge, die mir geholfen haben:
- Seid nicht zu nervös – es ist kein Test.
- Schreibt euch vorher Fragen auf.
- Lasst euch auch die schönen Dinge erzählen.
- Erzählt ehrlich, wie es zu Hause läuft.
- Seht das Gespräch als Zusammenarbeit.
Noch ein paar Fragen – und ein Wunsch
Zum Schluss wollten die Erzieherinnen noch wissen:
Haben wir selbst Veränderungen bemerkt, seit die beiden in der Krippe sind? Gibt es von unserer Seite Wünsche oder Anliegen?
Und dann hatten auch sie einen Wunsch an mich:
Ich soll ruhig öfter mal in der Gruppe vorbeischauen und mich blicken lassen. Vielleicht einmal pro Woche kurz reinschauen und sich austauschen.
Denn bisher hatte ich das eher einmal im Monat gemacht.
Mal sehen – vielleicht wird das jetzt ja eine neue kleine Routine.
Mein Fazit
Das erste Elterngespräch war für mich unglaublich spannend.
Zu hören, wie meine Kinder ihren Tag verbringen, wie sie von anderen wahrgenommen werden und welche Stärken sie zeigen, war einfach schön.
Und wieder einmal wurde mir klar:
Zwillinge sind zwar gleichzeitig geboren – aber jeder von ihnen ist eine ganz eigene Persönlichkeit.
Und genau das macht das Abenteuer „Zwillingsglück“ so besonders.
Wie ist das bei euch?
Habt ihr auch mehrere Kinder – vielleicht sogar Zwillinge – die komplett unterschiedlich sind?
Schreibt mir eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.
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