Es gibt einer dieser Phasen im Leben unserer Kinder, von der man schon so oft gehört hat. Bücher, Gespräche mit anderen Eltern, gut gemeinte Ratschläge – irgendwie weiß man, dass sie kommt. Und trotzdem trifft sie einen mit voller Wucht.
Die sogenannte Trotzphase.
Oder – wie ich es viel lieber nenne – die Autonomiephase.
Ein Wort, für das, was eigentlich passiert: Unsere Kinder entdecken sich selbst. Ihren eigenen Willen. Ihre eigene Stimme.
Und genau das erleben wir gerade.
Unsere Zwillinge – sind fast drei Jahre alt. Und ich kann euch sagen: Unser Alltag ist im Moment alles außer Ponyhof und Streichelzoo . Es ist Laut. Wild. Chaotisch und Verrückt! Aber Wunderschön. Und manchmal auch einfach nur überwältigend.
Eine Achterbahn der Gefühle – jeden Tag, jede Stunde, jede Minute.
Es sind diese extremen Gefühlswechsel, die mich am meisten herausfordern. Eben noch wird gelacht, getanzt, gestrahlt – und im nächsten Moment fließen Tränen, wird geschrien, gewütet, getobt.
Ohne Vorwarnung.
Ohne Übergang.
Manchmal sitze ich einfach nur da und denke: Wie kann ein so kleiner Mensch so ausflippen?
Und die ehrliche Antwort ist: Weil sie es noch lernen müssen.
Ihre Emotionen sind wie Wellen im Sturm – sie kommen plötzlich, sie sind stark, und sie reißen alles mit sich. Und wir stehen daneben und versuchen, irgendwie der sichere Hafen zu sein.
„Ich alleine!“ – Wenn aus Babys kleine Persönlichkeiten werden
Was mich gleichzeitig staunen lässt: Wie sehr sie sich entwickelt haben.Sie wollen alles selbst machen. Und ich meine wirklich alles.
Schuhe anziehen – auch wenn es ewig dauert und am Ende doch am falschen Fuß landet.
Hosen an- und ausziehen – mehrmals hintereinander, einfach weil sie es können.
Haare föhnen – ja, auch das steht ganz hoch im Kurs.
Erdbeeren waschen – mit voller Hingabe… und einer kleinen Überschwemmung in der Küche inklusive.
Sie wollen ausprobieren, entdecken, lernen. Und dabei geht natürlich nicht immer alles glatt.
Es wird geworfen.
Es wird geschüttet.
Es wird verteilt – manchmal sehr großzügig.
Und gegessen wird aktuell auch gefühlt rund um die Uhr.
Sprache, die wächst – und ein Wort, das alles dominiert
Was mich besonders fasziniert: ihre Sprache.
Sie können mittlerweile so viele Worte. Mehrsprachig! Sie sagen klar, was sie wollen – und noch viel klarer, was sie nicht wollen.
„Nein.“
Dieses kleine Wort hat eine ganz neue Bedeutung bekommen. Es ist laut, deutlich, bestimmt – und gefühlt ihr Lieblingswort.
Ja“ dagegen… ist eher selten zu hören.
Der kleine große Widerstand – Wenn der Gegenwille den Alltag bestimmt
Es gibt da etwas, das ganz besonders präsent ist. Etwas, das sich durch jeden Tag zieht, durch jede Situation, durch jede noch so kleine Entscheidung.
Der sogenannte Gegenwille.
Ein Wort, das ich vorher ehrlich gesagt kaum benutzt habe. Und jetzt? Begleitet es mich täglich.
Denn egal, was ich sage – die Antwort ist oft das Gegenteil.
„Komm bitte her.“ – Nein!
„Zieh bitte deine Schuhe an.“ – Nein!
„Möchtest du essen?“ – Nein! … um zwei Sekunden später doch am Tisch zu sitzen.
Es ist, als hätten meine Kinder einen inneren Schalter:
Du sagst A – ich mache B.
Und manchmal fühlt sich das unglaublich herausfordernd an.
Warum Kinder plötzlich „dagegen“ sind
Was nach purem Trotz aussieht, ist eigentlich ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Der Gegenwille gehört dazu. Kinder beginnen zu verstehen:
Ich bin ein eigener Mensch. Ich kann selbst entscheiden.
Und genau das wollen sie ausprobieren.
Nicht, weil sie uns ärgern möchten.
Nicht, weil sie „schwierig“ sind.
Sondern weil sie lernen, ihren eigenen Willen zu spüren.Das Problem ist nur: Dieser Wille zeigt sich oft… nun ja… sehr deutlich.
„Nein“ als Lieblingswort – und was wirklich dahinter steckt
Und manchmal habe ich das Gefühl, es geht gar nicht mehr um den Inhalt meiner Frage. Sondern nur noch darum, dagegen zu sein.
Selbst bei Dingen, die sie eigentlich gerne machen.
Und wenn man genau hinschaut, merkt man:
Dieses „Nein“ bedeutet oft gar nicht wirklich Nein.
Es bedeutet:
- „Ich möchte selbst entscheiden.“
- „Ich brauche einen Moment.“
- „Ich will mitbestimmen.“
Zwei Kinder – doppelt so viel Gegenwille
Mit Zwillingen bekommt der Gegenwille nochmal eine ganz eigene Dynamik.
Denn hier gibt es nicht nur ein „Nein“ – sondern gleich zwei.
Und manchmal auch gegensätzlich:
Das eine Kind will genau das, was das andere auf keinen Fall möchte.
Oder beide wollen gleichzeitig das Gleiche – aber natürlich alleine.
Diskussionen vorprogrammiert.
Und ich mittendrin, versuche zu vermitteln, ruhig zu bleiben und irgendwie einen Weg zu finden, der für alle passt.
Wenn der Alltag zur Geduldsprobe wird
Es sind oft die kleinen Dinge, die plötzlich viel Energie kosten:
Anziehen.
Zähneputzen.
Das Haus verlassen.
Alles wird diskutiert. Alles wird hinterfragt. Alles wird – zumindest erstmal – abgelehnt.
Besonders dann, wenn die Zeit drängt oder die Nerven sowieso schon angespannt sind.
Was mir hilft, den Gegenwillen besser zu verstehen
Ich versuche mir immer wieder bewusst zu machen:
Mein Kind ist nicht gegen mich.
Es ist für sich selbst.Und dieser Perspektivwechsel verändert viel. Plötzlich sehe ich nicht mehr nur den Widerstand – sondern den Wunsch nach Selbstständigkeit.
Den Wunsch, ernst genommen zu werden.
Was uns im Alltag hilft
Natürlich macht das den Alltag nicht automatisch leichter. Aber ein paar Dinge helfen uns, besser damit umzugehen:
- Gib Ihnen das Gefühl, selbst zu entscheiden.
- Mit dem ersten „Nein“ rechnen
Oft ist es nur eine erste Reaktion. Wenn ich ruhig bleibe und einen Moment warte, kommt manchmal doch noch ein „Ja“. - Situationen spielerisch lösen
- Klare, ruhige Grenzen setzen
Es gibt Dinge, die nicht verhandelbar sind. Und das dürfen sie auch spüren – - Nicht alles persönlich nehmen
Das ist vielleicht das Wichtigste. Ihr „Nein“ richtet sich nicht gegen mich.
Und dann sag ich zu mir selbst: mitten in der Katastrophe, zwischen zwei kleinen starken Persönlichkeiten, die beide genau wissen, was sie wollen – oder eben nicht wollen.
Besser Stärke als Schwäche!
Zwei Kinder, doppelte Dynamik – und ganz eigene Regeln
Mit Zwillingen wird diese Phase nochmal… nenne ich es mal schön gesagt- intensiver.
Denn hier treffen nicht nur ein starker Wille und große Gefühle aufeinander – sondern auch eigene Regeln und Bedürfnisse.
„Das ist meins!“
„Nein, das gehört mir!“
Teilen? Aktuell eher schwierig. Jeder möchte seine eigenen Sachen, seine eigenen Entscheidungen, seinen eigenen Raum. Eigene Mama. Meine Mama. Mama ganz alleine für mich.
Und dann noch die Entscheidungen überhaupt…
Eine offene Frage überfordert sie oft. Zu viele Möglichkeiten sind einfach zu viel.
Aber zwei Optionen? Perfekt.
„Möchtest du die blauen oder die Spider Man Schuhe?“Möchtest du Minnie oder Barbie Schuhe? Das Kleid oder der Pullover? Die Chips oder die Sticks?
Das funktioniert. Aber nicht immer.
Chaos, das man nicht planen kann – aber irgendwie dazugehört
Und dann gibt es diese Momente…
Du kommst zurück ins Bad – und plötzlich ist nicht nur dein Kind nass, sondern das komplette Badezimmer. Oder das Duschgel überall. Auf dem Boden, an den Fliesen, am ganzen Körper. Frisch geduscht und angezogen. Da kommt Freude auf.
Oder sie entscheiden spontan: Kleidung ist überbewertet. Und stehen plötzlich nackt mitten im Raum.
Und dann dieser eine Tag…
Frisch gekochte Rühreier stehen bereit. Die wir gemeinsam gemacht haben.Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit. Und plötzlich ist die gesamte Küche – wirklich alles – mit Salz und Pfeffer bedeckt. Der Boden. Die Arbeitsfläche. Die Ruhreier!.
Und die beiden wollen Eier, Eier..Mama Eier.
Ich stand da, habe tief durchgeatmet und nur gedacht:
„Oh nein… wo bekomme ich jetzt Eier her?
Oder du gehst für eine Minute aus dem Raum. Eine einzige Minute.
Und kommst zurück…
…und dein Sofa hat ein neues Design. Die Wand gleich mit.
Ein kleines Kunstwerk aus Filzstiften.
Wow.. Mama kuck..,
Und ja – in solchen Momenten ist Schweigen mehr als 1009 Worte.
Denn das wäre vermeidbar gewesen.
Zwischen Liebe und Überforderung – meine ehrlichen Gedanken
Ich bin ehrlich: Es gibt Momente, da bringt mich das alles an meine Grenzen.
Da spüre ich, wie es mich packt.Wie ich am liebsten laut werden würde. Wie ich innerlich kurz davor bin, einfach zu eskalieren.
Besonders abends.
Diese „Vampir-Stunde“, wenn alle müde sind, die Reize des Tages nachwirken und einfach nichts mehr so richtig rund läuft und der Gegenwille stärker wird.
Und genau dann mach ich das: Ich schalte Ihnen den Fernseher ein.
Was wirklich hinter der Trotzphase steckt
So herausfordernd diese Zeit auch ist – sie hat einen unglaublich wichtigen Hintergrund.
In der Autonomiephase lernen Kinder:
- ihren eigenen Willen zu entdecken
- Entscheidungen zu treffen
- Grenzen auszutesten
- mit Frustration umzugehen
- ihre Gefühle kennenzulernen
Das Problem ist nur: Ihr Gehirn ist noch nicht so weit, diese Gefühle zu steuern.Sie fühlen alles – aber sie wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Und genau deshalb brauchen sie uns.
Nicht als „Kontrolleure“.
Sondern als Begleiter.
Ganz nach dem Motto: Sag was du fühlst. Fühlst das auch?
Das läuft dann so: Ich bin wütend. (Mama wütend ) Ich bin sauer ( Mama sauer ) Ich bin traurig. (Mama Auah ) Ich bin glücklich (Mama happy ). 🙂
Unser Zwillingsglück – genau so, wie es ist
Ja, es ist laut.
Ja, es ist chaotisch.
Ja, es bringt mich manchmal an meine Grenzen.
Und dann ist da noch dieses süße, aber manchmal auch herausfordernde Verhalten: Sie wiederholen alles. Wirklich alles. Wie kleine Papageien. Worte, Sätze, Tonlagen – alles wird nach gesagt.
Alles voller Leben.Voller Entwicklung.
Voller kleiner, magischer Momente, die ich niemals missen möchte.
Denn genau das ist sie:
Diese wilde, intensive, wunderschöne Phase des Großwerdens. Ich bin jetzt schon gespannt wie dann die Pubertät erst wird. (Augenzwinker)
Und jetzt seid ihr dran…
Wer erkennt sich wieder?
Welche chaotischen, lustigen oder auch herausfordernden Momente habt ihr in der Autonomiephase erlebt?
Ich freue mich riesig, wenn ihr eure Geschichten mit mir teilt 💛
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